Das Haus der Schwestern – Charlotte Link

Das Haus der Schwestern

Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 608
Blanvalet Taschenbuch Nr.37534
Deutsch
ISBN-13: 9783442375349
ISBN-10: 3442375347
Best.Nr.: 27949652

Klappentext Das Haus der Schwestern:

Fesselnd, abgründig, raffiniert

Westhall Hose, ein einsames Farmhaus im Hochmoor Yorkshires.

Ehemals Schauplatz einer wechselvollen Familiengeschichte – und jahrzehntelang Hüter eines bedrohlichen Geheimnisses. Bis eine Fremde kommt und wie zufällig die Mauern des Schweigens zum Einsturz bringt …

Die Weihnachtsreise ins Hochmoor von Yorkshire verläuft für Barbara und Ralph Amberg ganz anders als erwartet. Schon in der ersten Nacht schneien sie auf Westhall Hose ein und sind von der Außenwelt abgeschlossen. Nicht nur die knapper werdenden Vorräte machen dem Paar zu schaffen; verdrängte Beziehungsprobleme kommen an die Oberfläche. Und dann sieht sich Barbara auch noch mit der Lebensgeschichte jener Frau konfrontiert, der Westhill einmal gehört hat, einer Frau namens Frances Gray, die gegen die Konventionen verstieß und sich immer nahm, was sie wollte.

Zusammenfassung:

Die Geschichte handelt von der Weihnachtsreise eines deutschen Ehepaares, Barbara und Ralph Amberg, die beide als Juristen tätig sind. Barbare hatte Ralph die Reise zu seinem 40. Geburtstag geschenkt. Sie reisen kurz vor Weihnachten an und schneien noch in der selben Nacht ein, ohne Strom oder Essensvorräte. Sie sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Barbara findet, auf der Suche nach Feuerholz, zufällig ein dickes Manuskript, das im angrenzenden Schuppen versteckt war. Es ist von Frances Gray, jener Frau, der Westhill bis zu ihrem Tode 1980, einmal gehört hatte. Das Manuskript schildert das Leben von Frances, die schon vor dem Ersten Weltkrieg fortschrittlich und politisch engagiert war, und ihre Entwicklung bis heute, ihre Familie und unglückliche Liebe. Dabei hütete sie ein dunkles Geheimnis. Barbara begann das Manuskript neugierig zu lesen:

Frances Gray war die älteste Tochter von Charles und Maureen Gray. Charles stammte aus gutem Hause und brach mit seiner Familie, als er sich für Maureen, ein einfaches Bauernmädchen aus Irland, entschied. Sie bekamen drei Kinder: George, der älteste Sohn, Frances und Victoria.

Insgeheim war die schöne Victoria die Lieblingstochter von Charles. Frances, die dies deutlich spürte, hasste ihre Schwester dafür. Schon im frühen alter freundete sich Frances mit dem Nachbarsjungen John an. Aus Freundschaft wurde später schnell Liebe. Schließlich machte John Frances einen Heiratsantrag, doch diese lehnte ab. Sie wolle sich mit ihren 17 Jahren noch nicht festlegen und für einige Zeit nach London ziehen. In London lebte Frances bei ihrer Tante Margeret und traf schnell auf Alice. Alice war die Freundin von ihrem Bruder George und kämpfte für die Frauenrechte. Frances schloss sich dieser Bewegung an und landete schließlich im Gefängnis. Dort wurde sie zwangsernährt und überlebte nur knapp eine schwere Lungenentzündung. Von diesen Geschehnissen geprägt, kehrte sie nach Hause zu ihren Eltern zurück. Dort musste sie feststellen, dass John nicht auf sie gewartet hatte. Sie platze direkt in seine und Victorias Hochzeit und niemand hatte sie informiert. Geschockt von den neuen Geschehnissen, beschloss sie zunächst nach London zurück zu kehren. In dieser Zeit lebte sie bei ihrem Bruder und seiner Freundin.

Im Jahre 1914 brach der Erste Weltkrieg aus und Frances sorgte sich zunehmend um ihren Bruder, welcher an der französischen Grenze kämpfte. Zwei schreckliche Jahre voller Zerstörung später, traf sie John wieder. Er war inzwischen in die Politik gegangen und wollte an der Seite der Engländer im Krieg kämpfen. Ende September 1916 erhielt Alice einen Brief. George wurde schwer verletzt und nun in einem Lazarett hinter der Front notdürftig versorgt. Alice und Frances beschlossen nach Frankreich zu reisen um für George da zu sein. Sie blieben dort mehrere Wochen und halfen die Verletzten zu versorgen. Frances versuchte dort Informationen über John zu bekommen und gab sich als seine Verlobte aus. Im Oktober erhielt sie die Nachricht, dass John schwer verletzt in einem Krankenhaus lag. Sie reiste sofort zu ihm und begann in den Wochen seiner Genesung eine Affäre mit ihm. Doch John fühlte sich verpflichtet seinem Land zu dienen und zog wieder in den Krieg. Frances, sauer und enttäuscht, kehrte nach London zurück. Dort traf sie auf die katastrophalen Zustände, welche ihr Bruder ausgeliefert war. Sie beschloss heimlich mit dem schwer psychisch angeschlagenen George nach Westhill zurück zu kehren. Doch Zuhause angekommen, erwartete sie die nächste schreckliche Nachricht, Ihre Mutter Maureen war hochschwanger. Am Tag ihrer Anreise verstarben Maureen und das Baby. Frances Vater war von da an nicht mehr wie früher. Er hatte den Tod seiner Frau nie überwunden.

Im Jahre 1919 zog, der immer noch vom Krieg schwer traumatisierte, George in ein einsames Cottage an die Küste. Frances brachte ihm von nun an jeden Sonntag Nahrung und Farbe zum malen. Alice war inzwischen nach London zurück gekehrt und heiratete Hugh Selley. Zusammen bekamen sie später 2 Töchter. Frances setzte ihre Affäre mit John in der Zeit weiter fort.

Die Situation in Westhill wird immer unerträglicher. Barbara und ihr Mann leiden unter starkem Hunger, denn ihre mageren Essensvorräte gehen langsam zuneige. Eines Tages, nach Weihnachten, macht sich Ralph auf Skiern auf ins Dorf um dort Essen zu besorgen. Barbara macht sich schreckliche sorgen, es schneit schon wieder und Straßen sind nicht zu erkennen. Sie hat Angst, dass Ralph den weg nicht findet und erfriert. Sie lenkt sich mit dem Manuskript ab und ließt ohne Pause:

In den nächsten 20 Jahren kümmerte sich Frances liebevoll um die Westhill Farm und die dort lebenden Tiere. Auch die Affäre zu John hielt weiter an. Er gab ihr das Gefühl begehrenswert zu sein.

Im Jahre 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Im gleichen Jahr beschloss Victoria sich von ihrem Mann John scheiden zu lassen. In dieser Zeit kam Marquerite, eine Französin, dessen Mann von den Deutschen verschleppt und getötet wurde, Sie hatte aus Angst vor den Nazis Frankreich verlassen und war nach England gereist. Alice, die in London nur knapp einen Bombenanschlag überlebte und alles verlor, bat Frances ihre zwei Töchter, Laura und Marjorie, bei sich aufzunehmen. Die zwei lebten von nun an in Westhill. Laura liebte die Natur und fühlte sich gleich zuhause, Marjorie jedoch, hasste alles an Westhill, vor allem aber Frances. Charles starb zwei Tage nach der rechtskräftigen Scheidung von Victoria und John im Jahre 1941. Auch Alice starb wenig später bei einem Bombenanschlag in London.

Im Januar 1942 verschwand George plötzlich. Keiner wusste wo er hingegangen war und wann er wieder kommen würde, sie sahen ihn nie wieder…

Im August 1942 gaben John und Marquerite ihre Hochzeit bekannt, sie bekamen ein Baby. John, der später zu Frances fuhr, um ihr dies zu erklären, schwor Frances seine ewige Liebe zu ihr. Marjorie hörte dies und erzählte es später der gesamten Familie, woraufhin Frances sie zurück zu ihrem Vater nach London schickte. Frances begleitete Marjorie und übergab sie ihren Vater, welcher inzwischen eine neue Frau geheiratet hatte.

Nach Frances Rückkehr aus London wartete schon die nächste böse Überraschung. Laura hatte einen deutschen Mann schwer verletzt gefunden und ihm das Leben gerettet indem sie ihn mit nach Westhill nahm. Es stellte sich heraus, dass er ein deutscher Spion namens Frank war. Sie versorgten Frank und versteckten ihn in ihrem Haus. Laura, die sich in Frank verliebte, hungerte sich immer schlanker und entwickelte schließlich eine Bulimie. Auch Victoria war angetan von dem jungen Mann. Sie fühlte sich nach dem Desaster ihrer ersten Ehe endlich wieder begehrenswert und wollte Frank verführen. Der ließ sich jedoch nicht darauf ein. Verletzt von der Zurückweisung kam es zum Streit zwischen Frances und Victoria, dessen Ende alles Veränderte…

Am späten Abend, Barbara hat die schrecklichen Geschehnisse, welche sie durch das Manuskript erfahren hat, noch nicht verdaut, kommt plötzlich der Nachbar Fernand zu besuch. Er ist der Sohn von John und Marquerite, dessen Lebensgeschichte Barbara zuvor erfahren hat. Fernand findet die gelesenen Zettel und stellt Barbara zur Rede. Im Verlaufe des Gespräches stellt sich heraus, dass viel mehr hinter der Erzählung steckt. Barbara war Fernand auf die Schliche gekommen. Er hat Laura, die bis heute in Westhill lebt und das Haus an Barbara und Ralph vermietet hatte, über Jahre erpresst. Erpresst mit einem furchtbaren Geheimnis, welches, über Jahrzehnte verborgen, erst mit dem Auffinden des Manuskriptes wieder ans Tageslicht gelang. Barbara befindet sich als Mitwisserin, nun in absoluter Gefahr und bangt um ihr Leben. Selbst Ralph, welcher am nächsten Tag von seiner Essenssuche wieder kommt, kann ihr nicht helfen. Die Situation scheint zunächst völlig aussichtslos…

Eigene Meinung:

Das Buch Das Haus der Schwestern ist anders als die Bücher, die ich zuvor von Charlotte Link gelesen habe. Es ist eine spannende, leicht zu lesende Familiengeschichte und mir ist nicht ganz klar, wieso es dem Genre Krimi untergeordnet wird. Trotzdem ist es Charlotte Link mal wieder gelungen ein gutes, spannendes Buch zu schreiben. Die Autorin baut eine andere Art von Spannung auf. Während in vielen anderen Büchern von ihr, zu Beginn ein brutaler Mord geschieht, dessen Aufklärung im Vordergrund steht, steht in diesem Buch der Alltag sehr unterschiedlicher Personen zu sehr verschiedenen historischen Zeiten im Vordergrund.Verschiedene Charaktere, unterschiedliche Zeitspannen, vom 1. Weltkrieg bis hin zu den späten 90er Jahre. Einblicke in die Geschichte vom 1. und 2. Weltkrieg, detailliert beschriebene Charaktere, Landschaften und Beziehungen. Von den Charakteren hat mich besonders Frances Gray sehr beeindruckt. Ein starker Charakter, sehr gut beschrieben und äußerst glaubwürdig. Jedoch hat dieses Buch es nicht geschafft, mich so zu fesseln wie andere Bücher Charlotte Links. Die Geschichte um Barbara und Ralph war eher zweitrangig und außer zum Ende hin nicht sehr spannend.

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